Hundeausbildung

Grundsätzliches

Ein Fehlverhalten des Hundes ist immer an die augenblickliche Situation
geknüpft und entspringt vererbten, biologischen Zusammenhängen.

Daher muss das Einwirken auf den Hund auch immer in dem Augenblick
erfolgen, in dem das Verhalten geändert werden soll. Nicht früher, aber auch
nicht später.

Ein alltägliches Beispiel soll das verdeutlichen: Ihr Hund sieht eine Katze und
jagt ihr nach. Ihr Rufen und ihre Befehle führen zu keinem Erfolg. Nachdem
der Hund Minuten später wieder zurückkommt, wird er von ihnen bestraft.

Für sie ist der Grund der Bestrafung das Jagen der Katze bzw. das Nichtbe-
folgen ihres Rufens. Dem Hund jedoch wird vermittelt, dass sein Zurück-
kommen bestraft wurde!

Warum?

Für den Hund sind das Jagen der Katze und die Rückkehr zu seinem Besitzer
zwei Handlungen, die nichts miteinander zu tun haben. Das Jagen der Katze ist
für ihn abgeschlossen und hat keine Beziehung mehr zu seiner letzten Hand-
lung: das Zurückkommen zum Rudel. Ein jetziges Bestrafen verbindet der
Hund daher mit seiner augenblickliche Situation, d.h. nicht das Wegrennen wird
bestraft, sondern die Rückkehr. Oder anders gesagt, der Hund bringt jede
Aktion in Bezug zur augenblicklichen Situation.

Wenn also das Wegrennen des Hundes unterbunden werden soll, dann muss
die Einwirkung des Hundehalters in dem Augenblick geschehen, in dem der
Hund sich falsch verhält.

Ein erfahrener Hundehalter wird daher nicht einfach auf solche Situationen
warten, sondern bereits im Rahmen der Erziehung und Vorausbildung gezielt
derartige Momente herbeiführen, um dann durch gezielte Handlungen dem
Hund das gewünschte Verhalten beizubringen. Wichtig ist, dass auf eine Aktion
sofort eine Reaktion erfolgt.

Wann beginnt die Erziehung?

Die Erziehung für den Hundhalter beginnt bereits bei der Übernahme des
Welpen vom Züchter. Erziehung bedeutet nicht, dass der Hund Befehle strikt
befolgen soll, sondern sie ist die Verbindung zwischen Mensch und Hund.
Stimmt die Verbindung, dann werden auch die Befehle freudig und zuverlässig
befolgt.

Werfen wir einen Blick ins Wolfsrudel: Dort werden Welpen ebenfalls regel-
gerecht erzogen. Alttiere schaffen Situationen, um den Welpen Lektionen zu
erteilen. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich mit ihren Kleinen um, aber
sie verletzen sie nicht. Vor allem akzeptieren sie die Unterwerfungsgesten des
Jungtieres und wirken niemals voller Wut auf einen, auf dem Rücken liegen-
den, Artgenossen ein. Ernste Kämpfe gibt es in einem Rudel erst, wenn der
bisherige Rudelchef nicht mehr in der Lage ist, souverän seine Führung zu
behaupten. Diese Führung wird ständig angetestet.

Das Geheimnis der Erziehung ist, dem Hund das Rudel zu ersetzen und ihm seinen
Platz in unserer Meute zuzuweisen. Er braucht die Rudelordnung, um sich sicher
und geborgen zu fühlen. Eine Vermenschlichung des Hundes wäre genauso schädlich,
wie es die Unterschätzung dieses höher entwickelten Tieres ist. Grundbedingung für
die Arbeit mit dem Hund ist die Liebe zum Tier, die Fähigkeit und das Fachwissen,
artgerecht mit ihm umzugehen.

Wichtig ist deshalb für uns, dass wir unserem Hund jederzeit ein verständnisvoller
und in jeder Situation souveräner Rudelchef sind. Damit haben wir schon
die halbe Erziehung in der Tasche.